Der Sagenweg

Der Südhang des Bipperämter Juras stellt ein beliebtes und bekanntes Naherholungsgebiet dar. Der Sagenweg ist ein Angebot für Ausflügler, die den Jura nicht nur an nebelfreien Tagen besuchen, sondern für Wanderer, die den «Berg» zu Fuss erforschen und erleben wollen.

Die verschiedenen Routen des Sagenweges beginnen am Jurasüdfuss in den Gemeinden Attiswil, Wiedlisbach, Oberbipp und Niederbipp bei den Bahnhöfen der aare-seeland-mobil, und führen hinauf bis zur Krete der ersten Jurakette. Die Berggemeinden sind allen dankbar, welche die öffentlichen Verkehrsmittel oder die eingezeichneten Parkplätze benutzen.

Die Texte entstammen zum grössten Teil einer Sammlung von Elisabeth Pfluger, welche die Geschichten im Solothurner-Dialekt im Buch «Flueblüemli und Aarechisle» zusammengefasst hat. Zur besseren Verständlichkeit
wurden sie mit Einwilligung der Verfasserin in die Schriftsprache gesetzt. Die Beschreibungen der Sehenswürdigkeiten wurden Dorfchroniken, Oberaargauer Jahrbüchern oder persönlichen Nachforschungen/Berichten entnommen.

  • (1.10) Der Buchmattschatz

    Grosses Verlangen und Lust auf den Buchmattschatz zeigten die alten Rumisberger und Wolfisberger in früheren Zeiten. Jedoch konnte niemand genau sagen, wer diesen Schatz versteckt hat und noch weniger konnte man erfahren, wo man ihn überhaupt suchen müsste. Mit den Jahren wurde immer mehr vermutet und behauptet. Aber trotz allem Grübeln und hin und her

  • (1.11) Sieben Kaiserliche fehlen

    Nach der Völkerschlacht von 1813 bei Leipzig marschierte ein Teil der kaiserlichen Armee durch die Schweiz, um daraufhin in Frankreich Napoleon in die Zange zu nehmen. Diese „Kaiserlichen“ führten sich zum Teil in der Schweiz schlimmer auf als zuvor die Franzosen! Um Weihnachten 1813 wurden all diese Soldaten – Serben, Kroaten, Tschechen, Ungaren, Polen und

  • (1.12) Die Dame von Oggehüsere

    Im Gemeindegebiet von „Oggehüsere“, oberhalb von Niederbipp lebte vor vielen Jahren ein Mädchen, welchem man nachsagte, dass es den „sechsten Sinn“  habe. Es sah und spürte Dinge, von welchen andere Leute nichts merkten. Es war eine Gabe, die Gutes auslöste, aber auch ihre Kehrseiten hatte. Als Lineli eines Nachmittags ins Dorf hinunter spazierte, begegnete ihm

  • (1.2) Waldlochbabis Drachen im Chällerflüeli

    Im Waldloch, im Attiswiler Berg, hauste einst das Waldlochbabi mit seinem bösen Hund. In dieser Höhle wohnte vor uralter Zeit ein Drache. Dieses Untier holte den Attiswilern nicht nur fette Gänse, Geissen und Schafe von den Weiden, nein es jagte auch nach Kindern. Auf junge Mädchen hatte es besonders Lust. In der Finsternis schlich es

  • (1.3) Der Heiltrank vom Lindemätteli

    Die erste Weidhütte in der Attiswiler Teuffelen stand früher ordentlich weiter hinten. Durch einen Erdrutsch wurde sie zugedeckt; am heutigen Standort baute man eine neue Sennhütte auf. Vor Jahren bekamen die Geissen eine böse Seuche. Kein Hausmittel half dagegen. In seiner Not schickte der Senn seinen Geissbuben, um den  Kräutermann zu holen. Ueli lief ins

  • (1.4) Ein Goldgrüblein in der Teuffelen

    In Attiswil stand einst in der Räbhalde, auf der Westseite vom Chänzihöfli, ein altes Strohhüttlein. Der Räbholdelipp, welcher hier mit zwei Geissen wohnte, schaute gut zu seinem Heimetli, sodass es immer aussah „wie putzt und gschläcket“. Jeden Nachmittag verschwand Lipp in den Berg hinauf, und kehrte erst vor dem Einnachten wieder zurück. Es hiess, er

  • (1.5) Ein Teufelsvertrag

    Das „Höch Chrüz“ ist ein prächtiger Aussichtspunkt, wo der Fussweg zum Hofbergli und zur Schmiedenmatt abzweigt. Hier auf Attiswiler Boden, nahe an der Grenze zu Günsberg stand einst ein Kreuz. Mit diesem Kreuz ist folgende Sage verbunden: In der heutigen Teuffelen Alpweide – früher Flüeweid genannt – wuchs das kräftigste Gras und die besten Kräuter.

  • (1.6) Beim Chilchhöfli

    Unter der vorderen Schmiedenmatt, kurz nach der Abzweigung gegen Herbetswil und dem Horngraben, gibt es ein ebenes Bödeli. Diesem sagt man das Chilchhöfli. Das Land gehört zur vorderen Schmiedenmatt, liegt aber auf Solothurner Boden, in der Gemeinde Herbetswil. Die alten Leute aus den Bergdörfern erzählten, dass man hier, als in früheren Zeiten der „schwarze Tod“

  • (1.7) Die Bettlerküche

    Will man von Farnern zur Schmiedenmatt hinauf, so gelangt man auf der Höhe vor dem Durchbruch auf ein ebenes Plätzchen. Diesem sagt man heute „Bättlerchuchi“. Die richtige Bettlerküche liegt aber am alten Weg oberhalb von diesem Felsentor. Berggänger, die den Jura bestens kennen, behaupten, dies sei der schönste Platz der Welt! Man geniesst eine Rundsicht

  • (1.8) Ein Geisterjäger an der Grenzbuche

    Um die Wende zum 20. Jahrhundert wanderten zwei Bauern aus Farnern eines Sonntags zusammen auf die Buchmatt ob Wolfisberg. Einer von den beiden, Brunnmattsämi,  war geistersichtig, das heisst, er verfügte über besondere Gaben: er konnte Wasservorkommen ausfindig machen und bei Unglück im Stall musste er überall mit Rat und Tat zu Hilfe eilen. Er war

  • (2.1) Hans Roth – Retter von Solothurn

    1382 erwies Hans Roth von Rumisberg der Stadt Solothurn einen grossen Dienst. Auf Schloss Bipp regierte ein junger Graf, Rudolf von Kyburg. Er war verschuldet und sann daher darüber nach, wie er die reiche Stadt Solothurn einnehmen könnte. Mit einigen Kameraden beriet er sich über einen möglichen Ueberfall. Hans von Stein, wohnhaft an der Ringmauer

  • (2.3) Die Hexe von der Kuhgasse

    Früher ging es in der Gegend um den Haltenacher in Rumisberg oft nicht mit rechten Dingen zu und her. An der Haltenacherstrasse stellten sich die roten Hunde dem Wanderer in den Weg und etwas weiter oben, bei der Abzweigung in die Kuhgasse sollen Hexen ihr Unwesen getrieben haben. Bei der Eiche, deren Aeste weit in

  • (2.4) Die Muuserhöhle

    In den Bergdörfern des Bipperamtes pflegte man zu einem Kind, welches zu Geld nicht Sorge tragen konnte, zu sagen: „So kann das nicht weitergehen – sonst müssen wir beim Muuserhans neue Fünfliber machen lassen!“ Dieser schlaue Muuserhans muss um 1800 gelebt haben. Man erzählte sich, dass er einen Präge-Stock zur Anfertigung von Fünffränklern besass. Missgünstige

  • (3.2) Ein merkwürdiges Geistertier

    Die alten Oberbipper erzählen, dass es in der untersten Kurve von der Schlossstrasse nicht ganz geheuer sei. In früheren Zeiten beging ein Landvogt einmal ein grausames Unrecht, das er jedoch bestritt.  Ein Unschuldiger musste an seiner Stelle eine harte Strafe erleiden. Der Landvogt aber nahm seine Schuld mit ins Grab. Weil er zu Lebzeiten nie

  • (3.3) Der Grenzhund

    Der Blaukreuzchor in Wiedlisbach wurde durch den Oberbipper Hans Anderegg  (Beckejoggeli Hans genannt) geleitet. Im Sommer und im Winter musste er jede Woche einmal den Weg nach Wiedlisbach und zurück unter die Füsse nehmen. Der Nachhauseweg bereitete ihm jeweils eine grosse Überwindung. Es wurde eben gemunkelt, dass beim Ausmarchen der Grenze zwischen Oberbipp und Wiedlisbach

  • (3.4) Die Bipper Lärmkanone

    Im Jahre 1834 ereignete sich in Attiswil ein Grossbrand, weil die andern Gemeinden nicht rechtzeitig alarmiert werden konnten. Der Amtsstatthalter verlangte deshalb vom Kanton eine sogenannte Lärm-Kanone; das Bipperamt erhielt eine „Maritz-Vierpfünder“ mit der Jahrzahl 1764; diese wurde für die Feuerwehren schussbereit in der Oberbipper Schlossruine aufgestellt. 1845 bahnte sich in der Innerschweiz ein Glaubenskrieg

  • (3.5) Im Zweikampf gefallen

    Am 25. Januar 1659  ist in der Nähe von Solothurn, bei den „Weihern“ im Riedholz , ein Zweikampf ausgetragen worden, welcher zu grossem Gerede Anlass gegeben hat. Noch heute gibt es in unserer Gegend Mahnmale daran: Im Landesmuseum in Zürich hängt ein Oelbild mit der Wiedergabe des traurigen Ereignisses; im Kornhausmuseum in Wiedlisbach  ist eine

  • (3.6) Die weisse Frau im Gugger

    Früher wurde, als man meistens noch zu Fuss unterwegs war, der kürzere Weg über den Gugger von Rumisberg nach Farnern benutzt. Durch die Hasengasse kommend, nach den letzten Häusern von Rumisberg führt ein steiler Weg auf das Terrassengelände von Farnern. Tagsüber geschieht hier nichts Aussergewöhnliches. Aber nachts sollte sich jeder Fussgänger vor der weissen Frau

  • (3.7) Der Brunnmattschatz

    In früheren Zeiten verehrte ein König unseres Landes den Wald, besonders aber einen  bestimmten Baum, nämlich die Esche. Man sagte, die Esche sei der „Weltbaum“, mit ihren drei Wurzeln stark verankert mit den drei Elementen Wasser, Erde und Luft. Als jener König mit all seinen Soldaten die Landesgrenzen verteidigen musste und er merkte, dass er

  • (3.8) Gips und Salz

    Gold und Silber kommen in unsern Juraböden kaum irgendwo vor. Hingegen gibt es weniger kostbare Bodenschätze, nämlich Gips (früher Jips genannt) und Salz. Dem ganzen Berg nach zieht sich auf einer gewissen Höhe eine Gipsader durch. In Günsberg und Rumisberg wurden diese Adern angestochen und ausgebeutet. In der Schoren ob Rumisberg gab es eine verarbeitende

  • (C.3) Oberbipper Kirche – archäologische Grabungen

    Archäologische Grabungen haben 1959 gezeigt, dass unter der Kirche von Oberbipp Teile eines römischen Herrenhauses liegen. Es gehörte zu einem Gutshof des 2./3. Jahrhunderts, der sich vermutlich weit ins Tal hinaus erstreckte. Um 600 n. Chr. begann man, in Teilen der römischen Gebäude Gräber anzulegen. Vermutlich gehören sie zu einer «Phantomkirche», einer Kirche, die archäologisch

  • (D.3) Grabmal für die Ewigkeit

    Auf der Geländerstufe, auf der heute die Stierenweid und der Burgerwald liegen, wurden in urgeschichtlicher Zeit zahlreiche Grabhügel angelegt. Dies ist seit langem bekannt; wissenschaftlich untersucht ist bisher aber keiner.Viele der Grabhügel sind im Laufe der Jahrhunderte durch Erosion oder die landwirtschaftliche Nutzung verschwunden. Andere sind bis auf ihren schützenden Steinkern abgetragen. In verschiedenen urgeschichtlichen

  • (E.2) Lauch – ein eigenartiger Flurname

    Das nicht mit der gleichlautenden Pflanzenbezeichnung zu verwechselnde Wort «Lauch» ist urverwandt mit «Loch und Lücke»; es meint damit eine Lücke oder Kerbe in einem Grat als Bergübergang oder auch eine andere Kerbe im Gelände; das heisst, einen Gelände-Einschnitt oder eine Schlucht. Es scheint sich dabei um ein vor allem am Jurasüdfuss erhaltenes sprachliches Relikt

  • (E.3) Römischer Gutshof

    Nach alter Sage sollen im unruhigen Osthang des Anteren-Tälchens die Ruinen eines Klösterchens stecken. Bereits 1901 stellte man Mauerzüge fest. 1926/27 folgten Grabungen. Die dabei zutage geförderten Hohl- und Leistenziegel zeigten, dass die Mauern in die Römerzeit gehörten. Der Grundriss, der sich nicht mehr exakt rekonstruieren lässt, besteht aus einem «Wohntrakt» von etwa 24 m

  • (F.4) Erratische Blöcke im Bipperamt

    Als zeugen der Eiszeiten finden sich vereinzelt kristalline Gesteine am Jürasüdfuss. Diese Tatsache haben wahrscheinlich schon unsere Vorfahren dazu bewogen, die Gesteinsbrocken, welche sich in Härte und Farbe vom Jurakalk klar unterschieden als Bausteine zu benutzen. 1923 hat der Geologe Karl Wiedenmayer im Gebiet oberhalb der Waldenalp (Gemeinde Niederbipp) auf 940m.ü.M. zwei Findlinge kartiert, die

  • (F.5) 1857-2007 150 Jahre «Durchbruch» Hinteregg-Strasse

    Bis 1857 war die Hinteregg nur auf einem Saumpfad erreichbar. Mit einem Ausscheidungsvertrag vom 23.5.1857 zwischen der Einwohnergemeinde und der Burgergemeinde Rumisberg wurden die Hintereggweide und die Waldungen «Vordembärg» der Burgergemeinde zugesprochen. Diese liess noch im gleichen Jahr eine Strasseerstellen, die das Abführen von Bau- und Brennholz und die jährlich stattfindenden Alpfahrten der Rinder erleichtern

  • (G.3) Schloss Bipp

    Die Anfänge der mittelalterlichen Burg Bipp liegen im Dunkeln. Die Bezeichnung «Pippa burgoni» in einer Urkunde König Konrads von Burgund von 968 könnte sich auf die Anlage beziehen. Dort wird auch eine «capella» eine Burgkapelle, erwähnt. Die heute noch erhaltenen oder in alten Abbildungen fassbaren Gebäudeteile datieren frühestens ins 13. Jahrhundert. 1268 stellte Graf Hermann

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